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Die 90. diesseits

9. März 2010

Die viel gelesene Mitgliederzeitschrift des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) „diesseits“, erscheint nunmehr im 24. Jahrgang – wir halten die Ausgabe 90 in den Händen – fast ein Jubiläum und eigentlich ein Anlass, Resümee zu ziehen.

Das Editorial verweist auf „ … im vergangenen Jahr … wirkliche Meilensteine der Verbandsentwicklung“ und widmet sich zwei Personalsachen, die in einem „deutlichen Kontrast“ stehen. Es sind dies der erfolgreiche Abschluss des Rechtstreites von Dr. Bruno Osuch, dem Berliner Landesvorsitzenden, mit der Birthler-Behörde, und die als „tragisch“ bezeichnete „Nachricht vom Rücktritt von Dr. Horst Groschopp …“ als Präsident des Bundesverbandes. Im letzteren Fall werden zwei Gründe genannt; Haushaltsstreit und Debattenverlauf über das öffentliche Auftreten des HVD. Als ältester Vizepräsident führt nun Prof. Dr. Frieder Otto Wolf, Verfasser des Editorials und Akademiepräsident und KORSO-Vorsitzender, die Amtsgeschäfte bis zur nächsten Wahl. Er erwartet von allen Seiten bewusste Anstrengungen, „die Probleme nicht länger auf die lange Bank zu schieben …“.

Das Titelthema des aktuellen Heftes heißt: „Wie hältst Du es mit dem Islam und den Muslimen?“ Sind die seit einiger Zeit, nicht nur in Deutschland, stattfindenden teilweise hochgradig emotional verlaufenden Debatten zur Einstellung gegenüber dem Islam mehr als nur eine multikulturelle Bereicherung des Landes? Der Autor des Artikels, Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber, versucht in zwölf Thesen die neue „Gretchenfrage“, wie sich Anhänger eines demokratischen Atheismus und säkularen Humanismus dazu verhalten sollen, zu beantworten.
Die Schweizer stimmten kürzlich in einer Volksabstimmung mehrheitlich für ein Minarett-Verbot in ihrem Land – ein überraschendes Ergebnis für die Regierung und die meisten Parteien, warum? Diesseits bat Dr. Reiner Rosenzweig, Reta Caspar und Hülya Dincal-Gürsoy um eine persönliche Stellungnahme dazu.

Wie gewohnt, liest man zahlreiche interessante Meldungen in den Rubriken. Landauf/Landab informiert z. B. über die Auftaktveranstaltung zur Humanistischen Hospizinitiative, die Wiedereröffnung des Kinder- und Jugendgästehauses Heiligensee, die Interessengemeinschaft Humanistische Lebenskunde in Hamburg und das Zusammentreffen des Thüringer HVD-Vorständlers Frank Roßner mit Professor Kuwakin, dem Präsidenten der Russischen Humanistischen Gesellschaft in Moskau.

In der Rubrik „Aus den Ländern“ stellt Carsten Krampitz das „Nachtasyl Gorki“ vor. Sehr unterhaltend, was die Einrichtung mit Gorki und den Autor mit der Treptower Bekenntniskirche, Klaus-Rüdiger Landowsky, dem ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzendem im Berliner Abgeordnetenhaus und dem HVD verbindet.

Michael Schmidt orientiert auf die noch im Monat März öffnende Ausstellung über den sozialdemokratischen Politiker und Freidenker Adolph Hoffmann, der damit in seine Gemeinde Vogelsdorf und symbolisch in sein Sommerhaus zurückkehrt. Vielleicht wäre es an dieser Stelle möglich gewesen, auf das im Herbst bei alibri erschienene Buch über Hoffmann „Los von der Kirche!“ hinzuweisen.

Mit „Humanistik und HVD“ verweist Horst Groschopp, Direktor der Berliner und der Bundesakademie, anlässlich des Erscheinens der Schrift „Interkultureller Humanismus“ auf sein, im Editorial bereits angedeutetes, neues und zugleich altes Aufgabengebiet – Zukunftsfragen des modernen Humanismus. Im Artikel geht es um die nähere Bestimmung des Platzes eines organisierten Humanismus in unserem Land, eingeschlossen die möglichen oder erforderlichen Leistungen des HVD und die Bedürfnisse seiner Mitglieder in Theoriefragen.

In seinem Artikel „Wohl doch keine Sternstunden auf dem Weihnachtsmarkt“ schildert Siegfried R. Krebs seine Erfahrungen auf historischen Pilgerwegen und Krippenführungen auf dem Weihnachtsmarkt – wo auch sonst lassen sich in Ostdeutschland konfessionslose Menschen und besonders Kinder besser missionieren (aber wohl vergeblich, wie die Praxis zeigt).

Wer sich schwertut, etwas wegzuwerfen, für den verbergen sich auf den Seiten 30 bis 32 ganz fabelhafte Hinweise für ein filigranes Hobby. Tauchen Sie ein in die Miniaturenwelt des Künstlers Moshe Samter und begleiten Sie den „altgedienten“ diesseits-Redakteur Ralf Bachmann, der auf achtzig Lebensjahre zurückblickt, auf seiner lang ersehnten Reise nach Israel.

GG

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