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Abgeordnete des Bundestages erhalten Bericht „Gläserne Wände“

1. März 2016

„Freier Glaube. Freies Denken. Gleiches Recht.“ – Unter diesem Titel steht das anlaufende Themenjahr der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Zum Auftakt des Themenjahres am 23. März 2016 kommt die erste Stufe des Projekts #Politikaufklären zum Abschluss.

Anlässlich des Auftakts werden Vertreterinnen des Humanistischen Verbandes den Bericht Gläserne Wände zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen am 22. März an die 630 Abgeordneten des Deutschen Bundestages übergeben. Erstmals seit dem Bestehen der Bundesrepublik werden somit alle Mitglieder eines Parlamentes über die vielfältigen Bereiche, in denen sich konfessionsfreie und nichtreligiöse Menschen in Deutschland gegenüber den Angehörigen der christlichen Kirchen und zunehmend auch den Angehörigen anderer Konfessionen wie dem Islam im Nachteil sehen müssen, in umfassender Weise informiert. Die Übergabe des Berichts wird mit dem Aufruf an die Abgeordneten verbunden sein, rechtliche und politische Reformen zugunsten eines zeitgemäßen und diskriminierungsfreien Zusammenlebens von konfessionsgebundenen und nichtreligiösen Menschen als dringende Aufgabe aufzugreifen.

In Deutschland gehört mehr als ein Drittel aller Bürgerinnen und Bürger keiner Konfessionsgemeinschaft an, die Mehrheit von ihnen ist nichtreligiös. In vielen relevanten Bereichen des gesellschaftlichen Alltagslebens wie dem Arbeitsmarkt, bei der Kitasuche oder bei der Wertebildung in den öffentlichen Schulen müssen sie sich trotzdem als „Bürger zweiter Klasse“ sehen, wie der im September 2015 veröffentlichte Bericht Gläserne Wände zeigt. Seit seinem Erscheinen ist er bislang mehr als 30.000 Mal in gedruckter Form oder online abgerufen worden.

„Über das große Interesse am Bericht ‚Gläserne Wände‘ und vor allem die zahlreichen positiven und ergänzenden Rückmeldungen der Leserinnen und Leser in den vergangenen Wochen freuen wir uns im Humanistischen Verband sehr. Zufrieden sind wir deswegen allerdings noch nicht“, sagt Arik Platzek, Co-Autor des Berichts, dazu. „Wenn die systematische Benachteiligung der nichtreligiösen Menschen in Deutschland wirklich dauerhaft zum öffentlichen Thema werden soll, müssen die im Bericht genannten Tatsachen noch um ein Vielfaches bekannter werden. Doch so etwas kann eine verhältnismäßig kleine Organisation wie der Humanistische Verband, dessen Angehörige und Mitarbeiter in immerhin schon über 100 Projekten bundesweit engagiert sind, nicht ohne weiteres schaffen“, so Platzek. Deshalb soll in den nächsten Wochen die zweite Projektstufe starten.

Dass im Bereich der Gleichbehandlung von religiösen und nichtreligiösen Menschen in Deutschland massiver Handlungsbedarf existiert, meint auch Bettina Jarasch, Mitglied im Bundesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen und federführende Leiterin der religionspolitischen Kommission. „Ich habe die Studie ‚Gläserne Wände‘ mit großem Interesse gelesen. Sie zeigt vor allem eines: Die Politik ist dringend gefordert, neue Wege für den Umgang mit der immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe zu finden, die keiner Religion bzw. Konfession angehört. Die Autoren zeigen plausibel auf, wie sehr die weit verbreitete Ignoranz gegenüber diesem Thema auch Potenziale von Menschen ohne Religionszugehörigkeit zur Mitgestaltung unserer Gesellschaft vernachlässigt – Potenziale, die wir dringend heben sollten“, sagte Jarasch.

Im Anschluss zur Übergabe des Berichts an die Bundestagsabgeordneten folgt #Politikaufklären – Stufe 2: Finden Sie heraus, welche Abgeordneten für Gleichbehandlung stehen – und welche nicht.

Nachtrag vom 23. März 2016: Aufgrund der Terroranschläge in der belgischen Hauptstadt hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes entschieden, den Start des diesjährigen Themenjahres „Freier Glaube. Freies Denken. Gleiches Recht.“ um etwa zwei Wochen zu verschieben. Daher wird der Humanistische Verband den Bericht „Gläserne Wände“ zur Benachteiligung nichtreligiöser Menschen in Deutschland ebenfalls erst zum neuen Starttermin des Themenjahres an die 630 Abgeordneten des Deutschen Bundestages übergeben.