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Einbezug nichtreligiöser Menschen in die öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur

11. September 2013

WAHLPRÜFSTEIN ZUR BUNDESTAGSWAHL 2013

Die Säkularität des Grundgesetzes und die darin zum Ausdruck gebrachte religiös-weltanschauliche Pluralität staatlicher Tätigkeit muss auch beim öffentlichen Auftreten seiner Repräsentanten und bei öffentlichen Feiern Berücksichtigung finden. Heute werden Religionslose und Andersgläubige bei den öffentlichen Festformen ausgeschlossen bzw. „ökumenisch“ vereinnahmt.

Wir wollen wissen:

a. Werden Sie sich dafür einsetzen, die Meinung und Trauer nichtreligiöser Menschen bei Unglücksfällen und Katastrophen zu respektieren?

b. Sind Sie bereit, an einem neuen, pluralistischen Kapitel der öffentlichen Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur mitzuarbeiten?


ANTWORT | DIE LINKE

a. DIE LINKE setzt sich für eine strikte Trennung von Staat und Kirche ein, dass sollte sich auch in öffentlichen Akten des Staates, wie Formen der Staatstrauer wiederspiegeln. Insofern sieht es DIE LINKE tatsächlich als ein Problem an, wenn solche Formen der staatlichen Trauerbekundungen allein religiös besetzt werden. Wir treten für eine neutrale Ausrichtung solcher Trauerbekundungen ein.

b. Die öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur ist an vielen Stellen zu ritualisiert und routiniert geworden. Insofern sieht DIE LINKE sehr wohl Anlass, über neue Formen öffentlichen Gedenkens nachzudenken und sich an Debatten zu ihre Um- und Ausgestaltung zu beteiligen. Der pluralistische Charakter des Gedenkens ist uns dabei wichtig.

ANTWORT | BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

a. Die plurale, demokratische Gesellschaft speist sich aus Werten, die vielen unterschiedlichen Quellen entstammen. In einer offenen Gesellschaft wird niemand wegen des Geschlechts, aus ethnischen oder rassistischen Gründen, aufgrund der Religion oder Weltanschauung, der sexuellen Identität, des Alters oder wegen einer Behinderung benachteiligt. Sie ermöglicht und sichert gleichzeitig allen Mitgliedern die individuelle Wahrnehmung der Freiheits- und Bürgerrechte. Dazu gehört auch der Respekt vor der Trauerkultur jeder und jedes Einzelnen ungeachtet seiner bzw. ihrer religiösen oder weltanschaulichen Orientierung.

b. Öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur hat die Aufgabe, für die Gesamtgesellschaft Orte und Rituale der Bewältigung von Katastrophen und Unglücksfällen zu schaffen. Diese Orte und Riten müssen die Pluralität der Gesellschaft angemessen widerspiegeln, wenn sie allgemein akzeptierbar sein sollen. Insofern ist eine stetige Weiterentwicklung der Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur unabdingbare Voraussetzung für ihre zukünftige Akzeptanz. Diese Weiterentwicklung unterstützen wir.

ANTWORT  | PIRATENPARTEI

Mitbestimmung und Teilhabe sind zentrale Themen der Piratenpartei. Wir sind gerne bereit Lösungen zu erarbeiten, um eine bessere Berücksichtigung nichtreligiöser Menschen bei öffentlichen Festformen zu erreichen.

ANTWORT  | CDU/CSU

CDU und CSU respektieren umfassend die grundgesetzlich garantierte Meinungsfreiheit. Bei öffentlichen Gedenkfeiern bringen die Vertreter der beiden großen Kirchen die religiösen Gefühlen und Hoffnungen stellvertretend für die große Mehrzahl der Deutschen zum Ausdruck, die sich zum Christentum bekennen. Demgegenüber sprechen die Politiker als gewählte Volksvertreter für alle Bürger, also auch für die nichtreligiösen Menschen in unserem Land. Infolgedessen ist nach dem Verständnis von CDU und CSU die öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur bereits pluralistisch aufgestellt. An dieser Praxis werden wir festhalten.

ANTWORT | FDP

Trauer ist in erste Linie eine höchst persönliche Angelegenheit. Es muss daher Raum für den individuellen Umgang mit ihr geben. Nicht zuletzt die negative Religionsfreiheit muss den Einzelnen vor einer unfreiwilligen Unterwerfung unter eine religiöse „Trauerarbeit“ schützen. Gerne sind wir zu Gesprächen über die derzeitige öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur bereit.

ANTWORT | SPD

a. Die Meinung und Trauer nichtreligiöser Menschen bei Unglücksfällen und Katastrophen ist selbstverständlich zu respektieren. Es ist die Aufgabe der jeweils örtlich Verantwortlichen, im Dialog mit den Mittrauernden bei solchen öffentlichen Veranstaltungen eine dem jeweiligen Anlass angemessene Ausgestaltung der Feier zu finden, die verschiedene, auch nicht-christliche und religionslose Bevölkerungsgruppen anspricht. Dies wird immer auch vom Einzelfall und der Gruppe der jeweils Betroffenen abhängen.

Oft nehmen an solchen Feiern bereits Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften, nicht nur der christlichen Kirchen teil. Auch viele nichtreligiöse Menschen nehmen aus Anlass von Unglücksfällen und Katastrophen gerne, freiwillig und bewusst an solchen öffentlichen, auch religiösen Feiern teil. Wer aber an einer solchen Feier aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen nicht teilnehmen möchte, dem steht es natürlich frei, einer solchen Veranstaltung fern zu bleiben oder eine eigene Feier gemäß seinen Vorstellungen zu organisieren und staatliche Repräsentanten zu dieser eigenen Feier einzuladen.

b. Denjenigen, denen dies ein Anliegen ist, steht es frei, Vorschläge für eine öffentliche Erinnerungs-, Gedenk- und Trauerkultur in religiöser und weltanschaulicher Vielfalt zu machen und ggf. entsprechende Feiern im Dialog mit den jeweils örtlich Verantwortlichen mitzugestalten.