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Freundschaft ist immer eine schöpferische Leistung

30. Juli 2012

Frieder Otto Wolf erinnerte Humanistinnen und Humanisten an die Unverzichtbarkeit tiefer persönlicher Verbindungen, die kein bloßes Mittel zur Erreichung eigener Zwecke sind.

„Es wird in Zukunft wichtiger werden, einer sich  ausbreitenden Flüchtigkeit von Begegnungen und der um sich greifenden Instrumentalisierung von persönlichen Beziehungen bewusst entziehen zu können“, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, gestern in Berlin zum Internationalen Tag der Freundschaft am 30. Juli.

„Aktuelle und kommende Krisen sowie eine herausfordernde und komplexe Gegenwart bieten uns gute Gründe, um bei den persönlichen Verbindungen in den vor uns liegenden Zeiten auf Klasse statt auf Masse zu setzen“, sagte Wolf weiter, „ohne deswegen die ‚schwachen‘ Formen von Freundschaft gering zu schätzen, die den gesellschaftlichen Verkehr menschlicher gestalten.“

Auch weil Technologien es heute ermöglichen, in nie zuvor dagewesener Weise mit Menschen in Kontakt zu treten und mit ihnen zu kommunizieren, könne dieser Tag für Humanistinnen und Humanisten einen guten Anlass bieten, sich über die Qualität und persönliche Bedeutung der eigenen Beziehungen zu anderen Menschen wieder einmal Gedanken zu machen oder bestehende Freundschaften bewusst zu pflegen und mit neuem Leben zu erfüllen.

„Die Freundschaft zwischen Menschen, wie sie in unseren philosophischen Traditionen unter dem Begriff der Philia behandelt wurde, war immer schon eine schöpferische Leistung, ein Ergebnis bewusster Bemühungen“, so Wolf. „Gerade deswegen bleibt sie nicht an eine ohnehin gegebene Übereinstimmung und Gleichheit gebunden und kann sogar über vielfältige, zunächst unüberwindlich scheinende Differenzen hinweg aufgebaut werden.“

Durch Freundschaften könnten daher Brücken zwischen unterschiedlichen bestehenden Gemeinschaften aufgebaut werden, ein tieferes Verständnis für kulturelle Vielfalt  entwickelt und Verständigung über tiefer liegende Gemeinsamkeiten erzielt werden. „Freundschaften bilden elementare Voraussetzungen für menschliche Solidarität, sie fördern gegenseitiges Verständnis und eine Versöhnung nach Konflikten. Insofern sind sie unverzichtbare Bedingungen für jeden ernsthaften Dialog zwischen Zivilisationen und Kulturen.“

Im Sinne der Entwicklung einer Kultur des Friedens, die im Mittelpunkt eines von humanistischem Denken geprägten Handelns stehen sollte, könne Freundschaft somit als etwas Unverzichtbares bezeichnet werden.

„Nehmen wir deshalb diesen Tag wieder zum Anlass, der schleichend, wenn wir nicht achtsam damit umgehen, sich ausbreitenden Trivialisierung, Instrumentalität und Oberflächlichkeit in unseren Beziehungen eine Absage zu erteilen und statt dessen an Freundschaften zu arbeiten, durch wirkliche Begegnungen mit den Anderen, Zuwendung zu dem Anderen als ‚Zweck in sich selbst‘ und das Eingehen auf eine vertiefte Kommunikation, die dann auch tiefere Bindungen möglich werden lässt.“