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Grenzen der Religionskritik

29. März 2008

Zur Veröffentlichung des umstrittenen Films „Fitna“ von Geert Wilders auf den Seiten des Humanistischen Pressedienstes erklärt der Bundes-vorsitzende des Humanistischen Verbandes Deutschlands,
Dr. Horst Groschopp:


„Der hpd ist kein Organ des HVD. Wenn wir als Verband gefragt worden wären, hätten wir uns gegen eine Publizierung erklärt. Dass einige ‘Aussagen und Darstellungen des Films ... in der Sache richtig’ sind, wie eine Mehrheit der Redaktion erklärt, ist keine Rechtfertigung, sich außerhalb eines europäischen Konsenses von Gläubigen und Ungläubigen zu stellen, diesen Film und seine Art der Religionskritik zu boykottieren.

Dass im Namen von Religionen Untaten begangen werden, darf als Argument nicht dafür herhalten, Religionen und ihre Gläubigen allesamt in eine fundamentalistische Ecke zu stellen und populistisch selbst Hass Schürenden ein Forum zu bieten. Die Sache wird auch nicht dadurch besser, dass mit der Publikation beabsichtigt ist, ‘auch den Glaubensbrüdern in Christo’ einen Spiegel vorzuhalten, ‘in den sie offensichtlich nicht hinein sehen wollen, um nicht ihre eigenen grausamen Heiligen Schriften und ihre eigene Geschichte darin zu erkennen’. Mich interessiert das nicht sonderlich. Mich und den HVD interessiert, welche aktuellen ethischen und politischen Positionen bezogen werden. Da sind wir gern zum Streit bereit.

Der HVD ist religions- und kirchenkritisch, aber ihm ist jeder religionskämpferische Eifer zutiefst fremd. Auch die freie Meinungsäußerung existiert nicht ohne Einschränkungen. Sie darf selbst nicht zu Hass anstiften, eine Person, Gruppe, Gemeinschaft oder Mitglieder einer Gruppe oder Gemeinschaft verurteilen.

Der HVD hat mit seiner Gründung 1993 Abschied genommen vom sektiererischen ‘Kulturkampf’ gegen Religionen. Er sieht eine Chance auf breite Akzeptanz seines humanistischen ‘Bekenntnisses’ bei den Konfessionsfreien – neben anderen Bekenntnissen bei Gläubigen. Er will und befördert den ethischen Dialog mit Juden, Christen und Muslimen und ihren Organisationen.

Gerade deshalb tritt unser Verband nicht nur dafür ein, dass der verfassungsrechtliche Grundsatz der weltanschaulich-religiösen Neutralität des Staates durchgesetzt wird, sondern dass der Staat den weltanschaulichen Verbänden wie dem HVD und muslimischen wie jüdischen Verbänden die gleichen organisatorischen und finanziellen Rechte wie den christlichen Kirchen einräumt. Das betrifft im Wesentlichen das Recht zur Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts, das Recht zur Bildung weltanschaulicher Schulen und zur Erteilung von Lebenskunde – wie Islamunterricht in öffentlichen Schulen. Dafür wollen wir Muslime wie Christen gewinnen – im Interesse einer toleranten Kultur in Deutschland und Europa. Dieses Ziel lassen wir uns nicht durch schlechte Filme mit rechter Gesinnung auf humanistischen Portalen kaputt machen – dagegen protestieren wir.“