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Der Humanist und die Spiritualtität

6. September 2010

Pünktlich am 1. September erschien Heft 3 der „diesseits“, Mitgliederzeitschrift des Humanistischen Verbandes.
Im Editorial lesen wir über die Gründung eines neuen Landesverbandes in Baden-Württemberg. In Berlin tagte der Bundeshauptausschuss, der mit großer Mehrheit entschied, die Mitgliederzeitschrift professionell überarbeiten zu wollen. Sie soll zu einem lebendigen Debattenorgan und daneben noch mit einem Internetauftritt versehen werden. Das „Humanistische Selbstverständnis“ wird auch weiterhin, nach einer redaktionellen Überarbeitung, dem nächsten Präsidium die Voraussetzung in die Hand geben, das Profil des HVD als Weltanschauungsgemeinschaft weiter zu schärfen, denn es gehe heute, so Frieder Otto Wolf, … „um den praktischen Humanismus selbstbewusster BürgerInnen, die keine ‘höheren Wesen’ brauchen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen“.   

Unmittelbar nach dem Erscheinen erntete das Titelthema „Der Humanist und die Spiritualität“ überwiegend positive Reaktionen von Lesern, die, wie der Autor Hugo Gephard auch, auf Distanz zur Spiritualität unter Humanisten gehen. Atheistisch-humanistische Spiritualität – ist sie das Salz in der Suppe und wie verhält sich der HVD in der zunehmenden Debatte um Spiritualität in der Hospizarbeit? Die „Humanistische Akademie“ hatte im April zum Thema „Humanismus und Sterbebegleitung – Spannungsfeld ‘spirituelle Dimension’“ eine wissenschaftliche Tagung durchgeführt. Eine Reflexion darüber findet sich in diesseits leider nicht.

Passend zur Urlaubszeit schickte Redaktionsmitglied Lutz Renken Humanistische Urlaubspost aus Massachusetts im Nordosten der USA. Er besuchte dort eine Humanistische Gemeinde der Unitarian Universalists. Was das ist? Lassen Sie sich überraschen.

Ein Diesseits-Dauerthema sind Vorgänge rund um das Thema Patientenautonomie am Lebensende. In dieser Rubrik berichten kleine Beiträge über den Prozess gegen Rechtsanwalt Putz und das wegweisende Urteil des Bundesgerichtshofes in der Sterbehilfe-Debatte. Eine neue Bürgerrechtsbewegung für ein selbstbestimmtes Sterben durch Verzicht auf Nahrung könnte das neue Buch der Autoren Chabot und Walther initiieren, die sich für diese Methode zur Herbeiführung des Todes zu einem selbst gewählten Zeitpunkt aussprechen.

Im Forum informiert Wolfgang Lüder (15 Jahre Mitglied des Bundesvorstandes des HVD gehörte sieben Jahre dem Deutschen Bundestag an) über die Debatte Menschenrecht auf Glaubensfreiheit im Deutschen Bundestag. Gleichzeitig gibt er der Hoffnung Ausdruck, der HVD möge im Rahmen seiner politischer Arbeit auf die Grundsatzpositionen der Bundespolitik hinwirken.

Atheismus und Religionskritik im Spannungsfeld von Demokratie und Extremismus untersucht Armin Pfahl-Traughber, der leider den Schluss ziehen muss, dass Atheismus nicht gleichzusetzen sei mit Demokratie.

Uwe Lehnert unterzieht die offiziellen Statistiken, nach denen etwa ein Drittel der Deutschen keiner Religionsgemeinschaft mehr angehört, einer kritischen Untersuchung und kommt zu dem Schluss: Es müssten weitaus mehr sein, denn unterschiedlichste Gründe halten die Menschen davon ab, sich endgültig von ihrem Glauben aus Kindertagen zu verabschieden.

Ob es sich lohnt, Atheismus zum Thema von Kinderbüchern zu machen, erfragte Patricia Block beim Kinderbuchautor Christian Duda, der von seinem Verlag im Jahresprogramm als „glücklicher Atheist“ angepriesen wurde.

Wahlweise kalte Schauer bzw. helle Begeisterung werden die Fotos von religiösen Tattoo-Motiven bei den Lesern auslösen.

Insgesamt ein „rundes“ Heft, das ebenfalls in seinen Rubriken wie gewohnt zahlreiche, interessante und gut lesbare Beiträge bietet.

P. Block; GG

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