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Humanistische Pädagogik in Kita und Schule

3. November 2014

Bericht zur Fachtagung an der Humanistischen Grundschule in Fürth.

Wie kann Selbstbestimmung von Anfang an gelebt werden? Was brauchen Kinder, wenn wir sie befähigen wollen, als mündige Menschen eigenverantwortlich Urteile und Entscheidungen treffen zu können und verantwortungsbewusst zu handeln? Welche pädagogischen Haltungen befähigen Kinder zu Selbstbestimmung und Verantwortung? Wie sieht humanistische Werteerziehung aus?

Um diese Fragen kursierten Referate und Workshops auf der von der Humanistischen Akademie Bayern durchgeführten pädagogischen Fachtagung in Fürth am 25. Oktober 2014. Die Humanistische Grundschule Fürth war mit ihren hellen, ansprechenden Räumen ein angemessener Ort der Veranstaltung, kann hier doch erfahren werden, wie humanistische Werte in einem Schulkonzept, und dazu gehört auch das Gebäude, verwirklicht werden.


Mit rund 200 Teilnehmern war die Fachtagung sehr gut besucht.

„Wir haben ein Programm zusammengestellt, das auch den Mitarbeitern von HVD-Einrichtungen Impulse zur Reflexion dessen gibt, was humanistische Pädagogik ausmacht“, sagte Ulrike Meyen, Pädagogin und Bundesreferentin des Humanistischen Verbandes zum Beginn der Tagung, „und freuen uns auf einen Tag zum gemeinsamen Nachdenken, zum Austausch miteinander und darauf, Neues zu erfahren.“

Prof. Dr. Thomas Mohrs erläuterte neurowissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Lernen  und leitete daraus Überlegungen zu Werten und den nötigen Kompetenzen zum Überleben in und zum Mitgestalten der globalisierten Welt ab.

Eine der Kompetenzen, das Hinterfragen, die Neugierde und das Staunen über die Welt, können die Kinder durch das Philosophieren erweitern. Mit welchen Methoden Pädagoginnen und Pädagogen mit Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter philosophieren können erläuterte Hans-Joachim Müller, Grundschullehrer und Lehrbeauftragter am Institut für Philosophie der Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg, anschaulich.

Hatte Thomas Mohrs uns Menschen als Kleingruppenlebewesen charakterisiert, fasste Dr. Brigitte Wieczorek-Schauerte diese Eigenschaft psychologisch: Die systemische Haltung in der Pädagogik hilft Kinder immer als Teil eines Zusammenhangs zu sehen und betont, dass Erwachsene, in Kita und Schule die Pädagogen Teil dieses Zusammenhangs, also dieses Systems sind. Innerhalb des Systems bestehen zwischen den Menschen Bindungen. In der pädagogischen Arbeit verlässliche Bindungen, die letztendlich die Kinder zur Freiheit befähigen, zu gewährleisten, ist eine der Aufgaben humanistischer Pädagoginnen und Pädagogen.


Vorzeigeprojekt aus Bayern: Die Humanistische Grundschule in Fürth.

Um Wahrnehmung und ihre Begrenzungen und was das für Schlüsse wir daraus für uns selbst und unsere Kommunikationen ziehen können ging es in dem Vortrag von Dr. Rainer Rosenzweig, der anschaulich und mit neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen belegt den Weg beschrieb, den ein Außenreiz nimmt, bis er bei uns angekommen ist.

„Humanistische Pädagogik geht vom Menschen als Individuum aus“, betonte abschließend Ulrike von Chossy, Leiterin der Humanistischen Grundschule Fürth: „Schon weil diese Individuen alle unterschiedlich sind, unterschiedliche Hintergründe und Auffassungen haben, muss diese Pädagogik einen konstruktivistischen Ansatz verfolgen. Absolute Wahrheit sind ihr notwendigerweise fremd, denn sie will bewusst mit Unterschieden umgehen, um von der Vielfalt zu profitieren und so Kindern ein weltoffenes, selbstbestimmtes und verantwortungsvolles Leben zu ermöglichen.“