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HVD: Bundeshauptausschuss tagte in Potsdam

24. Juni 2013

Delegierte diskutierten am Wochenende die Verbandsentwicklung.

Die Erweiterung um einen neuen Landesverband in Baden-Württemberg, Lebenskunde in Nordrhein-Westfalen und die Entwicklung der humanistischen Feiertagskultur waren einige der Themen der Versammlung, die am vergangenen Samstag tagte.

Im Mittelpunkt der Versammlung aus den Vertretern der Landesverbände und des Präsidiums des Bundesverbandes in Potsdam stand der Beitritt der Humanisten Baden-Württemberg. Mit einem einstimmigen Beschluss wurde die Aufnahme des Verbandes in den Bundesverband vollzogen, der sich nun durch eine weitere traditionsreiche Vereinigung von Menschen mit einer humanistischen Weltanschauung erweitert sieht.

„Mit unserer Entscheidung zu einer Stärkung des Humanistischen Verbandes Deutschlands haben wir den naheliegenden Schluss aus einer über viele Jahre gewachsenen Zusammenarbeit gezogen, in der wir zahlreiche wichtige Gemeinsamkeiten festgestellt haben“, erklärte Andreas Henschel, Geschäftsführer der Humanisten Baden-Württemberg, zum Ereignis. Als Beisitzer im Vorstand der Jungen Humanistinnen und Humanisten in Deutschland hatte er den Jugendverband bereits seit dem vergangenen Jahr im Präsidium des Bundesverbandes vertreten.

„Die Entscheidung würdigt eine intensive Zusammenarbeit, um den konfessionsfreien Menschen eine Gemeinschaft und ein Forum für die Entwicklung und Umsetzung von modernen kulturellen und sozialen Angeboten auf Grundlage unserer gemeinsamen humanistischen Weltanschauung zu bieten“, sagte Frieder Otto Wolf zum Beitritt.

Dieser sei nicht nur ein historischer Schritt, sondern auch ein bedeutendes Zeichen der Anerkennung und als „klares Bekenntnis zu einer deutschlandweiten Verbundenheit von Humanistinnen und Humanisten“ zu verstehen.

Andreas Henschel betonte: „Wir wollen für die Menschen da sein, hier im Land und bundesweit – ob es nun um das Recht auf ein wertebildendes Schulfach ohne religiöse Prägung wie Ethik und Lebenskunde oder die Selbstbestimmung Sterbender und ihre Würde am Lebensende geht.“

Zum Thema Humanistische Lebenskunde könnten sich schon in wenigen Wochen wichtige Fortschritte für den Bundesverband zeigen. Denn möglicherweise bereits im Juli entscheidet das Oberverwaltungsgericht Münster in einem seit 2007 laufenden Rechtsstreit zwischen Land und HVD Nordrhein-Westfalen um eine Genehmigung, ob das Schulfach zukünftig als ein alternatives Angebot zum Religionsunterricht an den Schulen im Land zugelassen sein wird.

Das berichtete Bruno Osuch, früherer langjähriger Vorsitzender des HVD Berlin und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Lebenskunde. Es hieß, seitens des Oberverwaltungsgerichts sei signalisiert worden, man könne entgegen früherer Entscheidungen nun mit einem positiven Urteil rechnen.

Wird Lebenskunde in Nordrhein-Westfalen zugelassen, wäre damit erstmals die Grundlage für ein wertebildendes Schulfach mit klarem humanistischem und nichtreligiösem Profil an den Schulen des Landes geschaffen. In Berlin nehmen derzeit über 50.000 Schülerinnen und Schüler an dem humanistischen Unterricht teil, der hier ein freiwilliges Angebot ist. Nach dem evangelischen Religionsunterricht besitzt die Lebenskunde in Berlin die zweithöchste Teilnehmerzahl, wie eine Mitteilung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg vom vergangenen Dezember zeigt.

Auf der Sitzung des Bundeshauptausschusses stand auch das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin am 17. April 2013, mit dem die Klage einer Mutter, Mitglied im Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg, gegen einen Fehlvermerk auf dem Zeugnis eines ihrer Söhne abgewiesen wurde, im Mittelpunkt von Diskussionen.

Die Delegierten beschlossen dabei einen Antrag des Landesverbandes Bayern, den 1986 von der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union ausgerufenen World Humanist Day offiziell als weltanschaulichen Feiertag am 21. Juni jedes Jahres zu benennen. Die Landesverbände sollen künftig „geeignete Maßnahmen zur gesetzlichen Anerkennung dieses Feiertages“ einleiten und den Tag in geeigneter Form hervorheben. In der Begründung des Antrags heißt es außerdem: „Die Art und Weise der Begehung des Welthumanistentages sollte landestypisch ausgestaltet werden“, konkrete Vorgaben seitens des Bundesverbandes gibt es nicht.

Im Interview mit diesseits.de am vergangenen Freitag berichtete Dr. Thomas Heinrichs, Rechtsbeistand der klagenden Mutter im Verfahren am Verwaltungsgericht Berlin, dass gegen das Urteil vom April mittlerweile die Zulassung zur Berufung beantragt wurde. Heinrichs erklärte außerdem, wie sich Eltern bei einer Weigerung von Berliner Schulen, Schüler mit einer humanistischen Weltanschauung an diesem Feiertag vom Unterricht freizustellen, vorgehen sollten, um einen Vermerk zu unentschuldigten Fehltagen auf dem Zeugnis zu vermeiden.

Diskutiert wurde auch die Tatsache, dass vier der im Bundesverband vertretenen Organisationen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts besitzen und welche Chancen sich im Sinne des praktischen Humanismus daraus ergeben könnten, ob und dass weitere Mitgliedsverbände diesen Status ebenfalls erhalten. Übereinkunft gab es schließlich darin, dass die Perspektiven zu dieser Frage noch weiter geklärt werden müssen.

Thema beim Bundeshauptausschuss war schließlich auch die Neufassung des Humanistischen Selbstverständnisses. Hier teilten Frieder Otto Wolf und Helmut Fink, Vizepräsident des Bundesverbandes und Vorsitzender des HVD Bayern, als Leiter der Anfang 2012 eingerichteten Arbeitsgruppe mit, dass die Verabschiedung einer Neufassung durch die Bundesdelegiertenversammlung im kommenden Jahr geplant ist. Ein erster gründlich überarbeiteter Entwurf soll in der nächsten Woche den Landesverbänden vorgelegt werden.

Frieder Otto Wolf zog in einer Bilanz den Schluss, dass eine weitere Konsolidierung der Arbeit wie auch ein Ausbau der Tätigkeiten in vielen Landesverbänden im vergangenen Jahr gelungen ist. An diesem Kurs müsse festgehalten werden, so Wolf daher, um künftig auch in den Regionen mit positiven Alternativen in der kulturellen, sozialen und politischen Arbeit aufzutreten, wo das Engagement auf Basis einer geteilten humanistischen Weltanschauung bislang nicht erkennbar war.

Wolf: „Ein kühler Kopf, ein klarer Verstand und ein offenes Herz: Das ist eine gute Basis, damit wir uns als Humanistinnen und Humanisten hier in guten wie in schwierigen Zeiten bewähren. Diese Dinge wünsche ich uns daher allen von ganzem Herzen auch im vor uns liegenden Jahr.“