Der Kulturwissenschaftler Dr. Horst Groschopp ist am 4. Januar 2010 als Präsident des HVD zurückgetreten. Damit hat er persönlich auf die Schwierigkeiten reagiert, in die der HVD als Weltanschauungsgemeinschaft und als Interessenvertretung von Konfessionsfreien trotz aller deutlichen Fortschritte in seiner Verbands- und Bündnispolitik in den vergangenen Monaten innerorganisatorisch geraten ist. Er hat seinen Verband mit diesem Signal dazu aufgefordert, sich auf die sich verändernden Bedingungen in unserem Land und in Europa neu einzustellen. Angesichts neu auflebender Debatten zur Staat-Kirche-Trennung und eines politischer werdenden Kulturprotestantismus steht der HVD als Bundesverband vor neuen Herausforderungen, für die er handlungsfähig werden muss. Auch in der „säkularen Szene“ zeigen sich neue Aktionsformen, Strömungen und Organisationsansätze, um deren konzeptionelle Verarbeitung im HVD vermehrt gerungen werden muss. Dr. Groschopp hat signalisiert, dass die bisher auf der Ebene des Bundesverbandes diskutierten Ansätze nicht ausreichen werden, um diesen neuen Herausforderungen zu begegnen.
Um darauf konstruktiv zu reagieren, stellt sich der HVD für eine Übergangszeit, für die er etwa ein Jahr veranschlagt, personell neu auf.
Das Präsidium des HVD hat festgestellt, dass mit dem Rücktritt des Präsidenten die Amtsgeschäfte an den Vizepräsidenten Prof. Dr. Frieder Otto Wolf übergehen, der zugleich Präsident der Humanistischen Akademie ist. „Wir organisierten Humanistinnen und Humanisten müssen begreifen“, so F. O. Wolf, „dass wir uns noch nicht in der Offensive befinden, auch wenn einige Veränderungen im Zeitgeist darauf hoffen lassen. Wir haben im vergangenen Jahr dazu beitragen können, dass mit der gesetzlichen Regelung der Patientenverfügung die Selbstbestimmung der Menschen gegen religiös motivierte Bevormundung gestärkt wird und ProReli in Berlin eine Niederlage erlitt, aber damit haben wir noch nicht wirklich die Tendenzen zu einer Stärkung der politischen Bedeutung aufklärungsfeindlicher Traditionen von Kirche und Religionen gestoppt, vor denen wir heute in Deutschland und in Europa stehen. Der HVD wird sich deshalb 2010 seiner eigenen organisatorischen Voraussetzungen dafür versichern, um die neuen Handlungsmöglichkeiten zu nutzen, die sich ihm zunehmend bieten – und dies in Teamarbeit mit unseren Mitgliedern und Akademien. Wir werden ExpertInnen und Bündnispartner, Freunde und KritikerInnen in unsere Beratungen einbeziehen und auch den vielseitigen Dialog im säkularen Spektrum suchen, um unsere innerorganisatorische Vorbereitung auf die Aufgaben im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts neu zu justieren. Das Präsidium des HVD und ich persönlich sind uns gewiss, dass der HVD gestärkt aus den kommenden Debatten hervorgehen wird und den Anliegen der Konfessionsfreien in Deutschland noch sehr viel deutlicher Gehör verschaffen kann.“
Dr. Horst Groschopp konzentriert sich mit Beginn des Jahres 2010 auf seine Funktion als Direktor der Humanistischen Akademie und auf die Arbeit im Berliner Institut für Humanistische Lebenskunde. Humanistische Bildungsarbeit und der Aufbau einer Humanistik stehen an. Dr. Horst Groschopp wird den hier erforderlichen konzeptionellen Findungsprozess weiter mit vorantreiben. Im Herbst 2010 wird dazu eine Konferenz stattfinden.
Judith Huber