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HVD-Präsidium tagte in Hannover

10. Juli 2012

Beschluss: Verband unterstützt die Allianz für den freien Sonntag

Das Präsidium des Humanistischen Verbandes Deutschlands hat bei seiner Sitzung am vergangenen Sonntag in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover einen Rückblick auf die bisher geleistete, erfolgreiche Arbeit geworfen und inhaltliche Schwerpunkte für die kommenden Monate festgelegt.

So wie es gelungen ist, in den Themenbereichen Alter und Lebensende durch praktische Erfahrungen und theoretische Aufarbeitung gesellschaftliche Relevanz zu erzielen, soll dieses künftig auch für die Bereiche Lebensbeginn, Kindheit und Jugend angestrebt werden. Hinzu kommen Themen rund um Schwangerschaft und pränatale Fragestellungen einerseits, Fragen der sexuellen Selbstbestimmung andererseits.

Das Präsidium beschäftigte sich auch mit innerverbandlichen Diskussionen um einen Beschluss des Bundeshauptausschusses, der am 16. Juni 2012 in Berlin getagt hatte. In dem Beschluss „Selbstbestimmung am Ende des Lebens" hatte sich der BHA für klare gesetzliche Regelungen zur Ermöglichung des ärztlich assistierten Suizids ausgesprochen und „generell gegen eine Suizidhilfe [gewandt], die die Selbsttötung eines Menschen ‚fördert' oder die aus kommerziellem, profitorientiertem Interesse Menschen zur Selbsttötung zu verleiten vermag. Die Selbstbestimmung in der letzten Lebensphase darf nicht durch Gewinnabsichten beeinträchtigt werden."

„Wir wollen versuchen, die praktische Arbeit von Sterbehilfe-Organisationen durch eine andere Beratungspraxis und andere Sterbebegleitungsformen, sowie durch Aufklärung und andere gesetzliche Regelungen überflüssig zu machen", sagte dazu Erwin Kress, Vize-Präsident des Bundesverbandes.

Das Präsidium stellte nach ausführlicher Diskussion klar, dass unter Suizidbeihilfe hier nur die Assistenz oder Mithilfe bei der Herbeiführung des Todes oder der tatsächlichen Durchführung der Selbsttötung zu verstehen ist. Beratung und Begleitung von Menschen, die freiverantwortlich ihrem Leid durch Suizid begegnen wollen, und mit denen keine „bessere Alternative" mehr erarbeitet werden kann, gehört selbstverständlich zu unserer humanistischen Hilfestellung.

Die innerverbandliche Auseinandersetzung mit praktischen und ethischen Fragen der Selbstbestimmung am Lebensende soll verstärkt weitergeführt werden.

Ferner wurde als ein möglicher Höhepunkt des kommenden Jahres eine Feier zum 20jährigen Bestehen des HVD diskutiert. Das Präsidium prüft, wie das Ereignis mit einer angemessenen Feier gewürdigt werden kann. Konkrete Festlegungen und Details sollen bis zum Abschluss der nächsten Sitzung des Präsidiums des Bundesverbandes im Oktober beschlossen werden.

„Dann werden wir erstmals am neuen Stiftungssitz der Giordano-Bruno-Stiftung tagen", sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Bundesverbands. „Die Einladung des Stiftungsvorstand an das Präsidium des HVD war eine willkommene Geste, die wir herzlich begrüßt haben und selbstverständlich wahrnehmen werden", so Wolf weiter. Er betonte, mit großer Spannung auf die kommende Sitzung zu blicken.

Schließlich beschloss das Präsidium des Bundesverbands, dass der Verband die „Allianz für den freien Sonntag" unterstützt. „Die Förderung von gesellschaftlichem und familiärem Zusammenhalt ist aus unserer Sicht ein zutiefst humanistisches Anliegen", sagte Frieder Otto Wolf dazu.

Auf die Aushöhlung des im Grundgesetz festgeschriebenen Schutzes des Sonntags als Tag „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung" hinauslaufende Prozesse, die von spezifischen ökonomischen Interessen motiviert seien, benötigten in einer sozial angespannten Gegenwart und fordernden Arbeitswelt ein starkes Gegengewicht, welches die Bedeutung des Zusammenhalts und Friedens in der Gesellschaft im Blick behält.

Die Unterstützung des Verbandes für den Erhalt dieses arbeitsfreien Wochentages werde daher als eine vernünftige Möglichkeit gesehen, damit sich „wichtige gesamtgesellschaftlich integrativ wirkende Potentiale entfalten können", so Wolf.

„Neue Debatten über eine zeitgemäße Gestaltung der gesetzlichen Feiertagskultur, die dem weltanschaulich neutralen Staatswesen und einer vielfältigeren Gesellschaft entspricht, würde wir natürlich begrüßen. Doch niemand sollte glauben, dass die Humanistinnen und Humanisten in unserem Verband die Bedeutung des verfassungsrechtlich geschützten Sonntags nicht erkennen oder würdigen."

Mehr Informationen: Webseite der Allianz für den freien Sonntag