7. Juni 2010

Neue "diesseits"

Noch ganz frisch, wie gewohnt informativ und viel gelesen, ist das zweite Heft in diesem Jahr von diesseits (91/2010), der Mitgliederzeitschrift  des Humanistischen Verbandes.

Möglicherweise ist es eine der letzten Ausgaben in der für den Leser gewohnten Form.

Im Editorial kündigt Sabine Schermele, die HVD-Bundesreferentin, an, dass im Zuge der Neuausrichtung der öffentlichen Darstellung des Verbandes sich auch das Bild der Zeitschrift moderneren Zeiten anpassen wird. Zeitlich wird dies mit der Wahl eines neuen HVD-Bundespräsidenten zusammenfallen, die der jetzige amtierende Präsident Prof. Frieder Otto Wolf für den Anfang des Jahres 2011 in Aussicht stellt. Mit deutlichen Worten wendet er sich in seinem, „Wachstumsprobleme“ betitelten Beitrags, an die Mitglieder des Verbandes. Darin werden Orientierungsprobleme unserer Organisation ebenso benannt wie mögliche Lösungsstrategien.

Dass sich einige schwer tun, lieb gewordenen Wege zu verlassen, wird nicht verhehlt. Auch wenn dieser Aufruf an die Mitstreiter, sich den neuen Aufgaben zu stellen, der eigentliche Schwerpunkttext diese Heftes ist, wenden sich gleich mehrere Artikel Fragen der Humanistischen Bildung und Erziehung zu. Detailgetreu schildert Lutz Renken die Vorgänge in Bremen, wo eine störrische Bildungssenatorin mit aller Kraft zu verhindern sucht, dass der dortige HVD Landesverband sein Ziel, die Gründung einer humanistischen Schule, in die Tat umsetzen kann. Streitpunkt im Genehmigungsverfahren, dass inzwischen gerichtlich ausgetragen wird, ist die alles entscheidende Frage, ob Humanismus eine Weltanschauung ist. Wenn das selbst dann so ist, wenn Humanismus die ganze Gesellschaft durchdringe, wie das Gericht befand, dann können sich Humanisten darüber einerseits freuen. Dass uns dies doch auch vor große Aufgaben stellt, macht Horst Groschopp in seinem Zwischenruf klar.

Dr. Michael de Ridder, Chefarzt der Rettungsstelle am Berliner Urban-Krankenhauses stellte auf der Leipziger Buchmesse im Frühjahr sein mit großer Spannung erwartetes Buch „Wie wollen wir sterben“ vor. Patricia Block sprach mit dem engagierten Mediziner über die Aufgabe der Ärzte, das Sterben zu akzeptieren und zuzulassen.

Eine wenig bekannte Seite des Buddhismus, den blutigen Glaubenskrieg zwischen Dalai Lama-Anhängern und Vertretern des Shugden-Kultes beleuchtet Colin Goldener, der Autor einer kritischen Dalai-Lama-Biographie.

Ralf Bachmann erinnert sich aus Anlass des 125. Geburtstages von Egon Erwin Kisch an eine geplante Begegnung mit dem „rasenden Reporter“ die dann leider doch nicht mehr stattfinden konnte.

Für die Rubrik „nachgefragt“ erkundete die Redaktion beim Satiremagazin Eulenspiegel, wo man dort die Grenze für den Abdruck kirchenkritischer Cartoons zieht. Das Ergebnis ist erstaunlich – man ist viel unbefangener als bei Diesseits selbst.

Patricia Block

AnhangGröße
diesseits_heft2_2010.pdf4.15 MB