Sie halten die Bibel für das wahre und irrtumsfreie Zeugnis eines Gottes, Homosexuelle für umerziehbar und bekennen sich zum klaren Missionsauftrag gegenüber der gesamten Menschheit: Evangelikale. Solche Menschen gibt es auch in Deutschland. Etwa 1,3 Millionen sind es und sie werden immer mehr. Zu den weltweit insgesamt 600 Millionen Christen mit der “Mission Gottesreich” gehört auch der CDU-Politiker Christian Wulff. Jetzt will Wulff Bundespräsident werden.
Wenn ein Politiker aufgrund seiner Arbeit in einer Partei populär ist, dann ist das eine Sache. Für ihn zählt, wieder gewählt zu werden. Was er sich bei seiner Arbeit denkt, ist nur sekundär bedeutsam denn die Ergebnisse zählen. Und welche Interessen Politiker in ihrer Freizeit verfolgen, bleibt in der Regel eindeutig ihre Privatsache. Nur wenn so ein Mensch zum höchsten Repräsentanten Deutschlands werden will, wird ein anderer Blick auf ihn nötig. Die säkularen Organisationen in Deutschland sind sich einig: Ein Kurator von “ProChrist” ist als Bundespräsident nicht akzeptabel.
Denn im Falle des bisherigen niedersächsischen Ministerpräsidenten, der am Ende des Monats Bundespräsident sein will, nährt der Blick bei vielen Menschen die schlimmsten Befürchtungen: Christian Wulff unterstützt offen „ProChrist“ und fördert so das Betreiben einer fundamentalistischen Evangelisationskampagne, welche die Menschheit von überholten Wahrheiten überzeugen will.
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Sogar der ehemalige Parteichef der LINKEN, Oskar Lafontaine, bekannte sich kürzlich zu seinen katholischen Wurzeln und meinte, dass ohne Religionen Wertorientierungen und ethische Standpunkte für Menschen nicht möglich seien. „Wenn Gott tot ist, ist alles erlaubt“, brachte er seine Meinung auf den Punkt. Und obwohl mittlerweile sogar bedeutende, christliche Theologieprofessoren die biblischen Worte für ein reines Menschenwerk halten, unterstützt der eventuell zukünftige Bundespräsident Christian Wulff die Machenschaften der bibeltreuen Religionsfanatiker von „ProChrist“.
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Und auch Frieder Otto Wolf, als HVD-Bundespräsident der Vertreter Deutschlands mitgliederstärkster Interessenvertretung religionsfreier Menschen, erklärt: „Der Kandidat Christian Wulff lässt bisher ein klares Bekenntnis zur verfassungsmäßigen Trennung von Staat und Kirche vermissen.” Der Politikwissenschaftler, habilitierte Philosoph und ehemalige Europaparlamentarier konkretisiert: “Damit er akzeptiert werden kann, wird er deutlich machen müssen, dass er seine Haltung im niedersächsischen Kruzifix-Streit korrigiert und zumindest nicht fortzuführen gedenkt.“ Wie auch Ladwig und Schmidt-Salomon hält er die Mitgliedschaft des Christian Wulff im „Pro Christ“-Kuratorium nicht vereinbar mit dem Amt des Bundespräsidenten.
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