Freidenker und Kultur in Deutschland
(hpd) Das am vergangenen Wochenende von Laizistinnen und Laizisten in der SPD ausgesandte „Roßdorfer Signal" zielt darauf, „die 1919 stecken gebliebene Trennung von Staat und Religion zu vollenden." Passend zu diesem in letzter Zeit erneut häufiger geäußerten Ruf ist nun das Buch „Dissidenten" wieder erschienen.
Die verbesserte Neuauflage im Tectum-Verlag bietet die interessante und wahrscheinlich unverzichtbare Darstellung einer Geschichte der freidenkerisch-humanistischen Bewegung in Deutschland, die für die Anhänger und Protagonisten aller säkularen Konzepte wohl zur Pflichtlektüre zählen sollte.
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Das vom Kulturwissenschaftler Horst Groschopp, Direktor der Humanistischen Akademie Deutschlands, verfasste und 1997 erstmals veröffentlichte Fachbuch „Dissidenten – Freidenker und Kultur in Deutschland" zeichnet mit der Geschichte freireligiöser, freidenkerischer und humanistischer Kulturbewegungen unter anderem die äußerst vielgestaltige Beschäftigung mit dieser fundamentalen Frage in der Region des heutigen Deutschlands zwischen 1840 und 1914 nach. Es heißt, dass sich bis 1914 etwa 20.000 bis 25.000 „Konfessionslose" organisiert hatten, um sich ein alternatives Fundament abseits von kirchlichen Vorgaben und haltloser Beliebigkeit zu verschaffen. Festgemacht wird die historische Darstellung am Entstehen, Wirken und Umfeld des Weimarer Kartells, die laut Autor eine Bündnisvereinigung „gegen die Vorherrschaft der christlichen Kirchen und für religiöse und weltanschauliche Selbstbestimmung" gewesen ist. Deren Vertreter vielfach maßgebliche Triebfedern für den Prozess der Trennung von Staat und Religion waren, wie er sich in den Forderungen der Weimarer Reichsverfassung niedergeschlagen hat und laut jüngster Bilanz der SPD-Laizisten dann 1919 stecken geblieben ist.
Die im damaligen Dietz-Verlag veröffentlichte erste Auflage von „Dissidenten", darauf weist der Autor hin, ist nur geringfügig modifiziert und im nötigen Umfang korrigiert worden. Erarbeitet wurde das Buch zwischen 1994 und 1996, also vor rund anderthalb Jahrzehnten. Ein die zeitgenössische Gegenwart beschreibender Abschnitt des ersten Kapitels zur Einführung liest sich jedenfalls und mit Ausnahme von Details aus der Laienperspektive so, dass sie auch als heutige Zustandsbeschreibung wirken kann, weshalb das Werk nicht offenkundig unter der bewusst unterlassenen Neuaufarbeitung zu leiden scheint.
