In der vor kurzem erschienen Ausgabe der “diesseits”, dem Verbandsmagazin des Humanistischen Verbandes Deutschlands, nahmen sowohl der amtierende wie auch der ehemalige Präsident von Deutschlands größter Organisation konfessionsfreier Menschen ausführlich Stellung zur Lage des HVD. Im Interview nimmt der amtierende Präsident Frieder Otto Wolf zu offenen Fragen Stellung und verrät, was in seinen Augen humanistische Menschen verbindet.
Lange Zeit war es ruhig um das Bundespräsidium des Humanistischen Verbandes Deutschlands, nachdem Anfang Januar mit dem unerwarteten Rücktritt Horst Groschopps ein langjähriger Präsident des Bundesverbandes für viele überraschend sein Amt niedergelegt hatte. Im neu erschienen HVD-Verbandsmagazin “diesseits” beschreibt der nun amtierende Präsident Frieder Otto Wolf in einem zweiseitigen Beitrag unter dem Titel “Wachstumsprobleme” seine Sicht der Lage von Deutschlands größter Vereinigung religionsfreier Menschen.
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wissenrockt.de: Vor einigen Tagen erschien die neue „diesseits“. Dort haben Sie einen zweiseitigen Aufsatz mit dem Titel „Wachstumsproblem“ verfasst. Können Sie in zwei oder drei Sätzen zusammenfassen, worin die Wachstumsprobleme bestehen?
Frieder Otto Wolf: Erstens gibt es teilweise Schwierigkeiten, unser Konzept des praktischen Humanismus in den Bundesländern mit ihren jeweils unterschiedlichen Bedingungen auszubauen. Das sind auch Schwierigkeiten unserer öffentlichen Darstellung. Wir sind in der lokalen Arbeit vor Ort ganz gut, aber in der Selbstdarstellung kommt das nicht so rüber.
wissenrockt.de: Was ist mit öffentlicher Selbstdarstellung gemeint?
Wolf: Wir als Bundesverband haben eigentlich zu ganz vielen Sachen etwas zu sagen. Aber wir schaffen es nicht, das immer rechtzeitig und deutlich genug zu tun. Das liegt im Wesentlichen daran, dass wir es noch nicht geschafft haben, die Kompetenz „vor Ort“ in den Landesverbänden tatsächlich auch für bundespolitische Angelegenheiten zu nutzen.
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wissenrockt.de: Wenn man derzeit die Medien verfolgt und sich mit den Organisationen beschäftigt, die sich für einen religionsfreien Humanismus einsetzen, ist es eine vielfach sehr politische, ideologische und theoretische Debatte. Sie sprechen nun häufig von praktischem Humanismus. Was ist damit gemeint?
Wolf: Praktischer Humanismus bedeutet vor allem, dass man an der lebenspraktischen Erfahrung der Menschen ansetzt und nicht immer nur intellektuelle Bedürfnisse befriedigt. Natürlich sind intellektuelle Debatten wichtig und wir pflegen sie auch. Aber als Humanistischer Verband haben wir ebenfalls den Anspruch, breiter die Fragen und Bedürfnisse der Konfessionsfreien aufzugreifen. Und ich denke, das ist mit diesem Angebot von praktischen Initiativen, in denen erfahrbar wird, was Humanismus bedeutet, zu leisten. Das ist etwas, was vor Ort geschieht und wo dann allmählich praktischer Humanismus sichtbar wird.
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