HVD fordert Selbstbestimmung und Aufklärung bei der Schwangerenberatung
Kölns Kardinal Meisner wird nicht müde, gegen Abtreibungen zu polemisieren. Selbst die Aufklärung über die Möglichkeit einer Abtreibung ist aus seiner Sicht nicht hinnehmbar. Der HVD widersprach ihm jetzt und lud Schwangerenberatungsstellen ein, gemeinsam an einer bedarfsorientierten Beratung zu arbeiten. Religiöse Verbote haben in dem Bereich nichts zu suchen, erklärte der HVD.
Thomas Hummitzsch
Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner kritisierte kürzlich Schwangerenberatungsstellen der katholischen Bundesarbeitsgemeinschaft für Jugend-, Ehe- und Familienberatung, weil diese im Deutschen Arbeitskreis für Jugend-, Ehe- und Familienberatung (DAKJEF) u.a. mit Pro Familia zusammenarbeitet. Pro Familia informiert über die Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch und ist Träger von Kliniken, wo diese durchgeführt werden können. Meisner hatte erst im Juni in der Zeit-Beilage Christ & Welt Abtreibungen als "Super-GAU" bezeichnet.
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Auch "gemeinsame Beratungskonzepte oder übereinstimmende Qualitätsstandards mit Einrichtungen anderer Träger, deren Beratung im Ergebnis auch die Abtreibung als Möglichkeit offen hält" bewertet Meisner in dem Beitrag als nicht hinnehmbar für katholische Einrichtungen. Meisner kündigte auch an, dass die von kirchlichen Lehren abweichenden Einrichtungen keinerlei Unterstützung mehr erhalten sollten.
Diese radikale Haltung hat der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) zu Wochenbeginn kritisiert. Dr. Ines Scheibe, Mitglied im Präsidium des HVD und Leiterin einer Schwangerenberatungsstelle in Berlin betonte, dass der HVD stets die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern sucht. Sie lud Schangerenberatungsstellen ein, gemeinsam mit dem HVD dafür einzutreten, dass sowohl die vorhandenen Kinderwünsche als auch das Recht, sich im Zweifelsfall gegen eine Schwangerschaft zu entscheiden, in Deutschland realisiert werden können. Eine ultimative Pflicht, welche die Vollendung von Schwangerschaften wegen religiöser Vorstellungen ohne Blick auf die berechtigten Interessen der Mutter vorsehe, ist für Humanistinnen und Humanisten ebenso wenig akzeptabel wie eine Pflicht zum Verzicht auf moderne Formen der Empfängnisverhütung, heißt es in der Erklärung des Verbandes.
