Neuer Atheismus: SPD-Laizisten zeigen Flagge
Der Streit um die Gründung eines laizistischen Arbeitskreises bewegt die SPD noch immer. Am Montag diskutierten laizistische und christliche Parteimitglieder, aber auch Theologen und Humanisten in Berlin über die Frage: Ist der Neue Atheismus eine Alternative zu den Religionen?
Michael Bauer vom Sprecherkreis der Laizisten und Laizistinnen der SPD erklärte bei der Debatte in der Friedrich-Ebert-Stiftung, in einer modernen Welt sei der Bezug auf die Kirchen in der Politik nicht aufrechtzuerhalten. Der Staat habe bei der Verteilung seiner Mittel alle gleich zu behandeln. Das sei derzeit etwa beim Religionsunterricht an Schulen nicht der Fall. Die Durchsetzung des Laizismus sei eine "Frage der Emanzipation". Werner Schultz vom Humanistischen Verband in Berlin erklärte, die SPD bemühe sich derzeit um die Vermeidung der Debatte um den Laizismus. In einem Land, in dem immer weniger Jugendliche an Gott glaubten, müsse sie genau das Gegenteil tun, wenn sie nicht belanglos werden wolle.
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Täglich velässt ein ICE die Kirche
Der Theologe Andreas Fincke erklärte, der Begriff "Neuer Atheismus" sei ein Import aus den USA und Großbritannien. Autoren wie Richard Dawkins bezögen sich in ihrer Religionskritik meist auf den 11. September 2001, beschrieben Glauben als Dummheit und trügen ihre Thesen überwiegend herablassend vor. Sie kritisierten nicht nur Missstände, sondern forderten mit "missionarischem Eifer" die Abschaffung aller Religionen. Ihr Sendungsbewusstsein gleiche dem amerikanischer Fernsehprediger. Fincke nimmt ein zunehmendes Klima der Kirchenkritik wahr, dass etwa die Giordano Bruno Stiftung "findig" aufgreife. So gehe Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, "keinem Streit um Religion aus dem Weg" und äußere dabei teils "verächtliche Polemik".
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Horst Groschopp von der Humanistischen Akademie in Berlin forderte einen differenzierten Umgang mit Begriffen wie Atheismus und Humanismus. Weltweit gebe es mehr als 40 Humanismen, etwa den konfuzianischen, arabischen oder eben den Neuen Humanismus. Neben der Girodano Bruno Stiftung hätten sich auch die Humanistische Union und der Humanistische Verband, der eine quasi-konfessionelle Gleichbehandlung mit den Religionsgemeinschaften anstrebe, dem Thema gewidmet.
Ein neuer Humanismus gehe davon aus, dass es keine übernatürlichen Beschützer oder Feinde des Menschen gebe. So sei es allein Aufgabe des Menschen, Leid zu vermeiden und die Gemeinschaft zu verbessern. Die Wissenschaft sei für den Humanismus eines der wertvollsten Instrumente zur Verbesserung der Welt. Gemeinsam sei den vielfältigen humanistischen Gruppierungen, dass sie den Laizismus anstrebten. Manche forderten eine Gleichstellung mit den Kirchen, durch eine Verleihung kirchlicher Privilegien an alle Weltanschuungsgemeinschaften, andere strebten eine Abschaffung dieser Vorteile an. Groschopp selbst nannte es einen "Skandal, dass es in Deutschland nicht einen Lehrstuhl für Humanismus gibt". Dennoch versuche der Humanismus nicht, Menschen aus den Kirchen zu treiben. "Dazu leisten die Kirchen schon selbst ihren Teil", sagte Groschopp. (pro)
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