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„Bedeutender Wegbereiter des praktischen Humanismus“

18. Mai 2014

Langjähriger Direktor der Humanistischen Akademie Deutschland und ehemaliger Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands verabschiedet.

Der Kulturwissenschaftler und Publizist Horst Groschopp ist am Samstag im Rahmen der wissenschaftlichen Tagung „Konfessionsfreie und Humanismus: Geschichte, Gegenwart und Perspektiven“ in den Ruhestand verabschiedet worden.

Im Zuge seiner jahrzehntelangen wissenschaftlichen, publizistischen Arbeit sei Groschopp zu einem „bedeutenden Wegbereiter des praktischen Humanismus“ in der Bundesrepublik geworden, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD) und Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin, bei der feierlichen Verabschiedung in Berlin. Manfred Isemeyer, langjähriger Vorstandsvorsitzender HVD Berlin-Brandenburg und Träger des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, würdigte Groschopps Werk in einer Laudatio als das einer herausragenden Persönlichkeit. Horst Groschopp  zähle zu dem Typ des schaffenden Menschen, der bei seinen Tätigkeiten nicht in erster Linie profan an den Broterwerb denke, sondern an „das Ziel seiner Arbeit, seine Mission“.

Zu den rund 60 Gästen der Tagung gehörten neben zahlreichen Vertretern des Verbandes aus ganz Deutschland auch der Politologe und Leiter der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), Carsten Frerk, der Berliner Grünen-Abgeordnete Martin Beck und der frühere stellvertretende Leiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Andreas Fincke, sowie der katholische Theologe und Philosoph Florian Baab.

Die Kulturhistorie der Menschen in Deutschland, die zu den Dissidenten gegenüber den Konfessionsgemeinschaften zählten, stellten einen Schwerpunkt von Groschopps wissenschaftlichem Interesse und Wirken dar.

Manfred Isemeyer sagte in seiner Laudatio weiter, er kenne niemanden, der sich so produktiv mit Agnostikern, Atheisten, Freireligiösen, Freidenkern und Konfessionsfreien auseinandergesetzt hat. „Horst Groschopp hat ihre Konzepte von Weltanschauung, Politik und Kultur und ihre Arbeitsfelder beschrieben und ihre Wirkung bis in unsere Gegenwart untersucht.“ Dabei habe er umfassende Werke zur Kulturgeschichte der deutschen Freidenker, der Organisations- und Konzeptionsstruktur säkularer Organisationen und zur Geschichte und Theorie des praktischen Humanismus erarbeitet. Dutzende wissenschaftliche Tagungen wurden von ihm während der vergangenen 17 Jahre  vorbereitet und durchgeführt. Die Zahl der Publikationen, die Groschopp im Rahmen seiner Arbeit hervorgebracht habe, sei unüberschaubar geworden, so Isemeyer. Auch sei ihm zu verdanken, dass der Verband vor allem als positive weltanschauliche Alternative profiliert sei und nicht vorrangig als Organisation mit einem Schwerpunkt auf der Kirchen- oder Religionskritik.


Manfred Isemeyer und Horst Groschopp (v.l.)

Nach einer Ausbildung zum Dreher und dem Abitur an der Bergakademie Freiberg studierte Horst Groschopp von 1968 bis 1971 Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, wo er 1978 auch promovierte. Er wurde 1984 habilitiert und war bis 1996 Hochschullehrer am Institut für Kulturwissenschaft der HU Berlin.

1994 trat Groschopp dem ein Jahr zuvor als Bundesverband gegründeten HVD bei, legte die Grundsteine für die Entstehung der Humanistischen Akademie Berlin im Jahr 1997 und trieb ihre Entwicklung und Arbeit als geschäftsführender Direktor voran, später auch für die 2006 gegründete Bundesakademie. Zu seinen wissenschaftlichen und akademisch bildenden Tätigkeiten zählte seit 2001 die des Bildungsreferenten am „Institut für Humanistische Lebenskunde“ in Berlin.

Außerdem war er von 2004 bis 2009 Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands und Leiter der Sichtungskommission, welche in der Gründung des Koordinierungsrates säkularer Organisationen mündete. Er war ferner als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei fowid tätig.

„Durch seine Arbeit hat Horst Groschopp kontinuierlich Impulse für die Entwicklung des organisierten praktischen Humanismus in Deutschland geliefert, die stets breit innerhalb unseres Verbandes Rezeption fanden, aber auch darüber hinaus“, sagte Frieder Otto Wolf schließlich. Ohne den langjährigen geschäftsführenden Direktor stünde der Humanistische Verband Deutschlands als Weltanschauungsgemeinschaft nicht dort, wo er heute steht.

Horst Groschopp werde seine Fähigkeiten auch künftig in wissenschaftliche Forschungsprojekte zum Humanismus einbringen, hieß es schließlich. Unter anderem arbeitet er gemeinsam mit Frieder Otto Wolf und dem Religionshistoriker und Altphilologen Hubert Cancik an einem Handbuch „Humanismus: Grundbegriffe“ und einer „Enzyklopädie des Humanismus“.


Ralf Schöppner

Verantwortung im Amt des Direktors der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg und der Bundesakademie wird ab 1. Juni 2014 Ralf Schöppner übernehmen. Schöppner ist praktischer Philosoph und seit 2011 als Projektmanager für die Humanistische Akademie und daneben als Dozent für Ethik sowie in der politischen und beruflichen Bildung tätig.