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Familienförderung nicht gegen Gleichstellung ausspielen lassen

26. Februar 2013

Entwürdigende Position der Bischofskonferenz zur „Homo-Ehe“: Thema der Förderung von Familien nicht auf Rollen bei der biologischen Reproduktion reduzieren.

„Die staatliche Förderung von Familien und Partnerschaften vor allem von der Frage abhängig zu machen, inwiefern die beteiligten Menschen eine bestimmte Rolle bei der biologischen Reproduktion wahrnehmen, stellt aus meiner Sicht eine Entwürdigung aller Menschen dar“, hat am Dienstag Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, in Berlin erklärt. „Denn gute Elternschaft verlangt erheblich mehr als einfach nur Mutter oder Vater zu sein, noch wird sie allein durch eine eheliche Bindung von Mann und Frau garantiert.“

Wolf reagierte damit auf eine Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz, die sich am Montag gegen eine rechtliche Gleichstellung homosexueller Menschen ausgesprochen hatte. Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wandte sich gegen das Adoptionsrecht für eingetragene Lebenspartner und meinte, heterosexuelle Paare würden grundsätzlich „die besten Voraussetzungen für die Entwicklung eines Kindes“ bieten. Eine Öffnung der zivilrechtlichen Ehe für homosexuelle Paare widerspräche dem Eheverständnis des Grundgesetzes, laut dem Ehe und Familie aufgrund der Fähigkeit von Mann und Frau zur biologischen Reproduktion „wesenhaft miteinander verknüpft“ seien. Die Ehe von Mann und Frau sei „Keimzelle der Gesellschaft“, so Tebartz-van Elst.

Die Ausführungen des Bischofs wies Wolf mit den Worten zurück,  „mit den hier erneut zum Vorschein kommenden Denkmustern wurde zuvor auch gegen die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern argumentiert. Ich  hoffe sehr, dass insbesondere auch alle gläubigen Christinnen, die vom kulturellen Fortschritt während der vergangenen Jahrzehnte profitiert haben, diese Einengung der Perspektive auf eine Funktion bei der biologischen Reproduktion erkennen.“

Frieder Otto Wolf sagte weiter, dass aus „humanistischer Sicht die Schaffung und der Erhalt einer familien- und kinderfreundlichen Gesellschaft eine bedeutsame Aufgabe ist, an der sich alle Menschen  gleichberechtigt beteiligen können sollten, die dazu willens sind.“ Eine Verschiedengeschlechtlichkeit aller Ehepartner, von der Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sprach, könne eben so wenig als Garant für solch eine Gesellschaft gelten, wie heterosexuelle Ehen per se ein Garant für Kinder seien, so Wolf.

Wahr sei zwar, dass die langfristige Bindung heterosexueller Elternpaare, in der Sorge und Verantwortung für Kinder getragen werden, eine Elementarform von sozialer Bindung ist. Diese Form der Familienbildung sei jedoch, wie der Blick auf die Wirklichkeit zeige, weder die Regel, noch gebe es gute Gründe, nur sie allein zu fördern. Statt bestimmter Ehevorstellungen sei es vielmehr wichtig, alle Formen von Familie, „die einen Raum entstehen lassen, in dem Kinder eine Grundlage für ihr eigenständiges Leben entwickeln können“, zu unterstützen.

Christlich-konservative Vorstellungen könnten somit nicht allein bestimmen, „was eine Familie sein soll und auch das Rechtsinstitut der Ehe darf in einem fortschrittlichen Gemeinwesen eben mehr beinhalten als aus katholischer Sicht gewünscht wird.“

Frieder Otto Wolf plädierte deshalb dafür, nicht von Vertretern der katholischen Kirche das Ziel der Förderung von Familien und familiären Partnerschaften, in denen Menschen füreinander Verantwortung übernehmen, gegen das zivilisatorische Ziel, die Benachteiligungen homosexueller Menschen abzuschaffen, ausspielen zu lassen.

„Es ist das gute Recht von gläubigen Katholikinnen und Katholiken, in ihrem eigenen Leben hier einem bestimmten Ideal anzuhängen. Eine umsichtige Politik sollte angesichts der Wichtigkeit von familiären Bindungen aber kein Paar ausschließen, das auf eine andere Weise eine familiäre Verantwortung übernehmen will.“

Bei der Diskussion über die Förderung von familiären Partnerschaften und Familien sollte somit nicht der Rückgriff auf Rollen bei der biologischen Reproduktion im Vordergrund stehen. „Um eine familien- und kinderfreundliche Gesellschaft zu schaffen und zu erhalten, müssten vor allem die ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen in die Mitte der Diskussionen rücken. Statt die Ungleichbehandlung homosexueller Menschen durch das Ehe- und Steuerrecht weiter zu verteidigen, sollte die Politik entschieden dafür eintreten, dass familiäre Gemeinschaften für möglichst viele Menschen als attraktiver und erstrebenswerter Teil des Lebens wirken.“