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Katholische Dogmen dürfen Ärztepflicht nicht untergraben

17. Januar 2013

HVD zum Skandal um Kölner Kliniken: Notfallkontrazeption und Schwangerenberatung muss Pflichtangebot in allen staatlich finanzierten Einrichtungen werden.

Als bizarren Missbrauch der Verantwortung für eine medizinische Einrichtung hat Ines Scheibe, Präsidiumsmitglied des Humanistischen Verbandes Deutschlands und Sprecherin des Netzwerks Sexuelle Selbstbestimmung, am Donnerstag den Skandal um zwei Kölner Krankenhäuser in katholischer Trägerschaft beurteilt.

Wie der Kölner Stadt-Anzeiger am Mittwoch berichtete, war die Anfrage einer Notfallärztin auf eine gynäkologische  Untersuchung für eine mutmaßlich vergewaltige Frau von zwei katholischen Krankenhäusern abgelehnt worden, da damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der „Pille danach“ verbunden seien. Die verantwortlichen Ärzte hätten die Behandlung abgelehnt, da diese den ethischen und moraltheologischen Grundsätzen der katholischen Kirche widerspricht und ihnen daher untersagt sei.

„Die Krankenhäuser haben für alle Bevölkerungsgruppen die Versorgung zu sichern. Sie werden aus den öffentlichen Haushalten und den Beiträgen aller Krankenversicherten finanziert. Es ist aus unserer Sicht inakzeptabel, wenn wichtige medizinische Leistungen hier einfach mit einem Verweis auf die moralischen Grundsätze der katholischen Kirche abgelehnt werden“, so Ines Scheibe.

Daher sei die Politik gefordert, um eine umfassende und unabhängige Betreuung aller Menschen in den öffentlichen Krankenhäusern zu garantieren. „Kirchliche Dogmen dürfen nicht dazu führen, dass die Pflicht der Ärzte und die Rechte von Frauen untergraben werden. Wenn ein Träger nicht dazu bereit ist, einen aus aufgeklärter Sicht modernen Standard im Rahmen der medizinischen Betreuung von Menschen zu akzeptieren, dann darf ihm keine Verantwortung für öffentliche und staatlich finanzierte Einrichtungen übertragen werden.“

Ines Scheibe rief dazu auf, dass es hier in der Öffentlichkeit und Politik endlich zu einem Umdenken kommen müsse. „In Fragen der sexuellen Selbstbestimmung, persönlichen Familienplanung und Schwangerenberatung beobachten wir seit längerem einen erschreckenden Rollback einer konservativen und fundamentalistischen Ideologie, die grundlegende Standards der medizinischen und ärztlichen Ethik angreift. Es darf nicht zugelassen werden, dass diese sich das öffentliche Gesundheitswesen aneignen kann.“