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Kontroverse vor allem eine Sache der Zivilgesellschaft

17. September 2012

Debatte um „Mohammed-Film“: Frieder Otto Wolf plädierte gegenüber Humanistinnen und Humanisten dafür, sich von extremen Haltungen nicht vereinnahmen zu lassen.

„Kulturen aufeinanderhetzen zu wollen oder so etwas auch nur zu billigen, ist aus meiner Sicht mit einer humanistischen Haltung nicht zu vereinbaren“, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, am Montag in Berlin zu der aktuellen Kontroverse um ein Verbot des Films „Innocence of Muslims“.

Das Werk hatte in mehreren Ländern zu gewalttätigen Protesten und nach der Ankündigung einer rechtspopulistischen politischen Gruppierung, den Film auch in Deutschland zu zeigen, zu einer erneuten Kontroverse um Verbotsforderungen geführt.

Frieder Otto Wolf drückte zunächst sein Bedauern darüber aus, dass die Veröffentlichung des Films zahlreiche Akte der Gewalt und Opfer zur Folge hatte. „Es ist wirklich erschütternd zu sehen, wie Freiheitsrechte und Technologien benutzt werden, um Hass und Gewalt zwischen Menschen zu schüren. Hier wird sichtbar, wie weit die planetare Gesellschaft von einer Zuwendung zu den wirklichen Problemen und Herausforderungen der Menschheit entfernt ist.“

Pauschale Verbotsforderungen, wie sie auch von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich vorgebracht wurden, seien jedoch für den aufgeklärten Umgang mit extremen Haltungen, Überzeugungen und Darstellungsformen nicht geeignet. „Sicherlich gilt die Meinungsfreiheit selbst in Deutschland nicht schrankenlos, wie die Strafgesetze über die Volksverhetzung zeigen“, so Wolf weiter. „Der Gebrauch aller unserer Freiheitsrechte ist jedenfalls stets mit einem verantwortungsvollen Handeln zu verbinden.“

Der vorschnelle Einsatz von staatlichen Sanktionen sei jedoch kein adäquates Mittel, um konfliktträchtige Veröffentlichungen zu verhindern. „Die Kontroverse, auch um eine solche Vorführung durch Rechtspopulisten, muss zunächst die Sache der deutschen Zivilgesellschaft sein. Humanistisch denkende Menschen, die sich hier wirklich gegen eine Verbreitung und das Wachstum von Hass zwischen den Menschen stark machen wollen, könnten ihre ernstgemeinte Ablehnung unter anderem durch Boykotte und andere öffentlich sichtbare Demonstrationen der Ablehnung ausdrücken.“

Frieder Otto Wolf warnte davor, auf extreme Meinungen und Ansätze mit extremen Meinungen oder Lösungsvorschlägen zu reagieren. „Denn ein fehlerhaft entwickeltes Eintreten für Freiheit kann dazu führen, dass das eigene Engagement letztendlich im Sinne der Feinde einer offenen Gesellschaft korrumpiert wird. Und so wenig wie sich Menschen zu Erfüllungsgehilfen religiös motivierter Fanatiker machen sollten, sollten sich jemand zum Erfüllungsgehilfen von Kräften machen lassen, die sich gegen diese religiös motivierten Fanatiker zu stellen behaupten.“

Frieder Otto Wolf machte außerdem seine Erwartung deutlich, dass die Menschen mit einem muslimischen Glauben in Deutschland in Zukunft nach all ihren Möglichkeiten darauf hinwirken, dass die Anhänger der gemeinsamen Religion auf Gewalt und andere inakzeptable Handlungen verzichten.

Wolf: „Wenn der Hass und die Gewalt zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Kulturen verringert werden sollen, dann braucht es hier endlich ernsthafte und erkennbare Anstrengungen, die auf eine Mäßigung zielen. Wir würden es im Sinne der Humanität begrüßen, wenn der islamische Glaube überall so gelebt wird, dass er sich nicht von den schlecht gesinnten Herabwürdigungen seiner Gegner zu Akten der Gewalt verführen lässt.“

Zugleich, so Frieder Otto Wolf schließlich, sollten sich alle Menschen ohne muslimischen Glauben dazu verpflichtet sehen, die unterschiedlichen Strömungen im Islam und die tatsächliche Vielfalt der religiösen Ansichten innerhalb der Religionsgemeinschaften zu erkennen, wenn sie als redliche Teilnehmende in den Debatten über die Religion gelten wollen.

„Die Vorstöße extremistischer Minderheiten in den islamischen Religionsgemeinschaften als repräsentativ für die Haltung gesellschaftlicher Mehrheiten darzustellen, illustriert eine fehlerhafte Logik und verschärft kulturelle Abgrenzungen in destruktiver Weise.“