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Wer bezahlt für die katholische Hasspredigt?

29. März 2016

Nach volksverhetzender Osteransprache: Vertreter des Humanistischen Verbandes üben scharfe Kritik am Fuldaer Bischof Algermissen.

Auch katholische Bischöfe haben kein Mandat zur Volksverhetzung. Daran hat der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD), Frieder Otto Wolf, am Dienstag in Berlin nach Äußerungen des Diözesanbischofs Heinz Josef Algermissen erinnert. Algermissen hatte am vergangenen Sonntag in einer Rede vor knapp eintausend Zuhörern im Fuldaer Dom behauptet, Menschen ohne christlichen Glauben würden ein „großes Sicherheitsrisiko für die Mitwelt“ darstellen.

Wörtlich sagte der Bischof: „Der Mensch ohne Ostern lebt unter der gnadenlosen Devise: Was Du bis zu deinem Tod nicht erreicht hast, das hast Du für immer verloren; was Du bis zur Stunde deines Sterbens nicht erjagt hast, das wirst Du nie mehr einholen; was Du hier auf Erden nicht zu Ende bringst, das verendet im wahrsten Wortsinn. Der Mensch ohne Ostern wird darum zu einem großen Sicherheitsrisiko für die Mitwelt, denn seine innere Hektik, diese ausgesprochene oder unausgesprochene Daseinsangst lassen ihn dann auch im Letzten blindwütig zuschlagen und alles zerstören.“ Algermissen sagte außerdem, Menschen ohne Osterglauben würden „über Leichen“ gehen. Vergleichbare Äußerungen hatte der Fuldaer Bischof bereits im April 2007 von sich gegeben.

Die Ausführungen von Algermissen bezeichnete Frieder Otto Wolf als „eine katholische Hasspredigt, die nicht nur jeglicher empirischen Grundlage entbehrt und die den großen Teil der Bevölkerung ohne christliches Bekenntnis sowohl im Gebiet der Diözese wie in ganz Deutschland diffamiert. Mit seiner Rede hat Herr Algermissen Einblicke in ein erschreckend undifferenziertes und wirklichkeitsfremdes Bild von den Lebensweisen und Werteorientierungen der großen Zahl nichtreligiöser wie andersgläubiger Menschen in unserem Land geboten. Die aus diesem erneut zutage getretenen Bild abgeleiteten Auffassungen sind in keiner Weise dazu geeignet, Beiträge zum gesellschaftlichen Frieden zu leisten“, so Wolf.

Florian Zimmermann, Mitglied des HVD-Bundespräsidiums und Vorsitzender des Humanistischen Verbandes in Hessen bezeichnete die Ausführungen des Bischofs als „auch deshalb unzumutbar, da Herr Algermissen sein Einkommen direkt aus dem Landeshaushalt bezieht und somit ebenfalls von konfessionsfreien Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern finanziert wird.“

Die Äußerungen bieten daher einen dringenden Anlass für die Wiederholung der Frage, warum nichtreligiöse und andersgläubige Menschen für die Besoldung von Kirchenvertretern aufkommen müssen, „die wie ranghohe Staatsbeamte bezahlt werden, während sie in ihrer Tätigkeit keiner demokratischen Kontrolle unterliegen, von Diskriminierungsverboten ausgenommen sind und nach Belieben Hetzreden gegen Teile der Bevölkerung abhalten“, so Zimmermann.