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Schritt nach vorn?

Ein Verein rettete die Jugendweihe über die Wende – und hat nun in Sachsen geradezu ein Monopol auf das Ritual.

Als der Festredner seine Ansprache beginnt, rollen die Jugendlichen gelangweilt mit den Augen. »Liebe junge Freunde, heute ist also der Tag gekommen, an dem wir euch in den Kreis der Erwachsenen aufnehmen«, verkündet er salbungsvoll. Die Worte donnern durch den »Erzhammer«, das Veranstaltungshaus von Annaberg-Buchholz. Rund 200 Gäste sitzen im Saal. Väter zücken ihre Videokameras, Omas kramen nach Taschentüchern, irgendwo kreischt ein Kleinkind.

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Der Sächsische Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe hat diese Feierstunde organisiert. Von April bis Juni richtet er sie für 11.000 Jugendliche aus, fast die Hälfte aller Achtklässler im Freistaat. Nur etwa 15 Prozent feiern bei anderen Anbietern, und ein Fünftel lässt sich konfirmieren oder firmen. Der Verein hat nahezu das Monopol auf die Jugendweihe in Sachsen. Wie hat er das geschafft?

Er ist die Nachfolgeorganisation der »Ausschüsse für Jugendweihe in der DDR«, jenes staatlichen Betriebes, der einst das sozialistische Fest organisierte. Als dieser nach 1989 abgewickelt wurde, formierte sich Widerstand unter Eltern und ehemaligen Mitarbeitern. »Die Jugendweihe plötzlich sterben zu lassen«, sagt Klaus-Peter Krause, »das hätte eine Revolte gegeben.«

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»Jugendweihe Deutschland« hat heute Ortsgruppen überall im Osten, in Hamburg und Niedersachsen. In Sachsen beherrscht der hiesige Landesverband mit knapp 240 Mitgliedern und fast 20 Mitarbeitern den Markt. Nicht zuletzt, weil er mit seinem größten Konkurrenten kooperiert, dem Humanistischen Verband Deutschlands. Kleinere Veranstalter wie der Dresdner Verein Roter Baum haben es da schwer. Auch diverse Privatagenturen und sogar ein Karnevalsklub in der Nähe von Leipzig versuchten bereits, Gegenangebote zu lancieren. Doch gegen den Größten haben sie wenig Chancen. »Viele kleinere Anbieter sind nur auf den Kommerz ausgerichtet, leisten nichts außer einer netten Feierstunde«, sagt Verbandspräsident Krause. »Nicht überall, wo Jugendweihe draufsteht, ist Jugendweihe drin.«

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