Vernunft und Empathie müssen die Oberhand behalten
Unter den Opfern in Norwegen waren nach Auskunft des ehemaligen Präsidenten der Norwegischen Humanisten auch zahlreiche Jugendliche, die mit 14 an der humanistischen Konfirmationszeremonie teilgenommen hätten. Der Humanistische Verband Deutschlands sieht nach den Gewalttaten in Norwegen auch Religionen in der Verantwortung.
Frieder Otto Wolf
Arik Platzek
Thomas Hummitzsch
Dienstag, 26. Juli 2011
Das Präsidium des Humanistischen Verbandes Deutschlands ist von den jüngsten Berichten über Gewalttaten in Norwegen schockiert. Die Bombenanschläge in Oslo und das Massaker des mutmaßlichen Täters, Anders Behring Breivik, an Jugendlichen auf der Insel Utøya während des vergangenen Freitags sind aus Sicht des Präsidiums ein Zeugnis von tiefgreifenden Defiziten in der Aufklärung und Humanisierung der europäischen Gemeinschaft.
HVD-Präsident Frieder Otto Wolf sagte anlässlich der Ereignisse in Norwegen:
Die brutalen Gewalttaten sind umso erschreckender, da sie in einer der friedlichsten und freiesten Gesellschaften auf unserem Planeten stattgefunden haben. Den Angehörigen, Freunden und Bekannten der Toten gebührt tiefes Mitgefühl.
Die Ereignisse können jedoch nicht als Ergebnis von völlig unabhängigen Taten eines isolierten Einzeltäters gesehen werden.
Menschen sind soziale Wesen und werden unweigerlich von den sie umgebenden Gesellschaften beeinflusst, …
… stellte Wolf fest. Dass der mutmaßliche Täter sich offenbar auch aus Furcht und Hass gegenüber der islamischen Religion zu diesen Handlungen motiviert fühlte, sollte zur kritischen Reflektion der Ereignisse durch alle Menschen führen.
(…)
Das Präsidium des HVD sieht auch die Angehörigen des Christentums und des Islams in der Pflicht, teils gravierenden Ängsten mit aller Entschiedenheit entgegen zu treten. Ein naheliegender Schritt wäre aus humanistischer Sicht deshalb, sich endlich deutlich erkennbar von antiquierten Ansprüchen auf Weltmission zu verabschieden und so den Menschen den ernsthaften Willen zu Toleranz und Offenheit gegenüber der vielfältigen, europäischen Gemeinschaft deutlich sichtbar zu machen.
